Function Point Methode nach IFPUG

Die Function Point Methode dient zur Messung des Umfanges bzw. der Größe einer Anwendung aus Benutzersicht und wurde durch ISO 14143 zertifiziert. Es wird daher die Funktionalität oder besser der funktionale Gehalt einer Anwendung gemessen. Dabei ist die Basisgröße der Funktionalität unabhängig von der für die Implementierung verwendeten Technologie.
Die Function Point Analysis (FPA) wurde Ende der 70er Jahre von A. Albrecht vorgestellt und im Laufe der Zeit modifiziert.

Die 1986 gegründete International Function Point User Group (IFPUG) veröffentlichte 1994 das Function Point Counting Practices Manual – Release 4.0, welches eine internationale Standardisierung für die Anwendung der FPA nach Albrecht darstellt.
Laut Bundschuh und Fabry lassen sich folgende Ziele mittels der Function Point Methode erreichen (Vgl. [BUNDSCHUH00], S. 179):

  • eine einheitliche und integrierte Messung sowie eine Erhöhung der Schätzgenauigkeit
  • eine Verbesserung des Projektmanagements und der Qualität des Softwareentwicklungsprozesses,
  • ein Erfahrungstransfer von Schätz-Know-how und
  • eine Reduzierung der Unsicherheit und der Komplexität des Schätzvorganges.

Laut FPA nach Albrecht werden dabei fünf Base Functional Component (BFC) unterschieden (Vgl. [GARMUS96], S. 40-78):

  1. Externe Eingaben (EI, engl. External Input),
  2. Externe Ausgaben (EO, engl. External Output),
  3. Externe Abfragen (EQ, engl. External Inquiry),
  4. Interne Geschäftsentität (ILF, engl. Internal Logical File),
  5. Externe Geschäftsentität (EIF, engl. External Interface File)
ifpug1

Die Abbildung zeigt die prinzipielle Struktur des FPA nach Albrecht. Es ist ersichtlich, dass die zu messende Software zumindest aus Anwendersicht eine Blackbox darstellt. Es ist demnach lediglich von Interesse, was für einen Anwender erkennbar ist, also die Eingaben, Ausgaben, Abfragen und internen Datenbestände und Referenzen.
Im Mittelpunkt stehen folgende Fragestellungen (Vgl. [HÜRTEN99], S. 15):

  1. Welche Informationen liefert die Software, damit der Anwender seine Aufgaben erfüllen kann?
  2. Welche Informationen sollte ein Anwender der Software liefern, damit das Softwareprodukt die erwünschten Ergebnisse liefert?
  3. Welche Abfragen kann die Software dem Anwender beantworten?
  4. Welche Informationen hält das zu messende Softwareprodukt für den Anwender bereit?
  5. Welche Informationen nutzt der Anwender aus anderen Software-Systemen?

Jede dieser Fragen ist dabei einer Base Functional Component (BFC) zugeordnet. Diese BFCs werden aber nach IFPUG nicht gleichwertig gewichtet. Um diese Gewichtung zu ermitteln, werden für die BFCs Einstufungen in

  • einfach,
  • mittel und
  • komplex

vorgenommen. Nach der Einstufung der BFCs können nun anhand der in folgender Tabelle angegebenen Gewichtungsfaktoren die Function Points ermittelt werden.
 

Merkmal

einfach

mittel

komplex

Eingaben

3

4

6

Ausgaben

4

5

7

Abfragen

3

4

6

Interne Datenbestände

7

10

15

Externe Datenbestände

5

7

10

(Quelle: [DUMKE00], S. 198)

Nun lässt sich auf dieser Grundlage die Summe der FP ermitteln. Diese Summe wird auch als Unadjusted Function Points (UFP) bezeichnet. Diese UFP sind nach Albrecht ein sekundäres Maß für die funktionale Größe einer Software. Dies ist deshalb der Fall, da unter zu Hilfenahme von Bewertungstabellen aus den ermittelten Datenelementtypen die FP abgeleitet werden.
Die UFP-Ermittlung orientiert sich dabei ausschließlich an den Anwenderanforderungen und ist ein Maß für die Software im Sinne des FSM nach dem Messansatz ISO 14143. Die UFP sind damit ein echtes Maß für die Größe der Funktionalität der zu messenden Software (Vgl. [HÜRTEN99], S. 25).
Um die Größe einer Software in ihrem Aufwand betrachten zu können, werden bestimmte Korrekturfaktoren notwendig. Damit wird ein Gesamtmaß für ein Softwareprodukt geschaffen, welches zusätzlich auch das Entwicklungsumfeld und die Qualitätseinflüsse berücksichtigt. Dieses Maß wird als Adjusted Function Point (AFP) bezeichnet und versteht sich als Ergänzung zu den UFP.
Bei dieser Methode werden 14 unterschiedliche Systemmerkmale unterschieden, denen je nach Einflussgrad Zahlen von 0 bis 5 zugeordnet werden. Zu beachten dabei ist, dass diese 14 Systemmerkmale nicht der Zertifizierung nach ISO 14143 unterliegen.
 

Diese Systemmerkmale sind (Vgl. [GARMUS96], S. 79-80):

  1. Datenkommunikation,
  2. Verteilte Datenverarbeitung,
  3. Performance,
  4. Ungünstige Konfiguration,
  5. Transaktionsrate,
  6. Interaktive Dateneingabe,
  7. Benutzerfreundlichkeit,
  8. Online-Bestandspflege,
  9. Komplexe Verarbeitung,
  10. Wiederverwendbarkeit,
  11. Leichte Installierbarkeit,
  12. Leichte Bedienbarkeit,
  13. Mehrfachinstallationen,
  14. Änderungsfreundlichkeit.

Die Summe aller 14 Systemmerkmale wird auch als Total Degree of Influence (TDI) bezeichnet. Aufgrund der TDI wird ein Wertfaktor, der so genannte Value Adjustment Factor (VAF) definiert, der sich wie folgt berechnet (Vgl. [GARMUS96], S. 90):

VAF = (TDI * 0,01) + 0,65.

Mit Hilfe des VAF können nun die AFP als Maß für die funktionelle Größe einer Software unter Berücksichtigung des Entwicklungsumfeldes und der Qualitätseinflüsse errechnet werden:

AFP = UFP * VAF

(abgeleitet aus [GARMUS96], S.99).
 

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